Umstrittene Datenkäufe der Polizeibehörden

In mindestens acht deutschen Bundesländern geraten die Aktivitäten der Polizeikräfte im Zusammenhang mit dem Erwerb kommerzieller Standortdaten zunehmend in die Kritik. Nach Enthüllungen von netzpolitik.org und dem Bayerischen Rundfunk haben Abgeordnete aus verschiedenen Parteien die Landesregierungen nach einer eindeutigen Erklärung verlangt. Der Kern der Debatte: Die Polizei soll sich Zugang zu umfangreichen Mobilfunk‑Standortinformationen verschaffen – Daten, die eigentlich von Werbenetzwerken und Wirtschaftsauskunfteien gesammelt werden.

Mecklenburg‑Vorpommern: Ein offenes Geständnis

Das Landeskriminalamt Mecklenburg‑Vorpommern räumte ein, dass es Mobiltelefon‑Standortdaten von einem Databroker bezogen hat. Mit diesen Informationen lassen sich detaillierte Bewegungsprofile von Bürger*innen erstellen. Fachleute betonen, dass hierfür bislang keine konkrete Rechtsgrundlage besteht. Die Landesdatenschutzbehörde hat bereits interveniert, um die Rechtmäßigkeit des Vorgehens zu prüfen.

Weitere Bundesländer im Fokus

Auch in Brandenburg wurde bekannt, dass die Polizei Daten von Wirtschaftsauskunfteien erworben hat. In neun anderen Bundesländern verweigerten die Sicherheitsbehörden jede Auskunft zu möglichen Databroker‑Deals. Diese Intransparenz hat die politische Opposition mobilisiert, die nun Staatssekretär*innen und Minister*innen auffordert, die Herkunft und Nutzung der Daten offenzulegen.

Politische Reaktionen aus den Landtagen

Die Reaktionen aus den Parteien fallen deutlich unterschiedlich aus. In Nordrhein‑Westfalen fordert SPD‑Sprecherin Christina Kampmann eine sofortige Offenlegung gegenüber dem Landtag und fragt nach der rechtlichen Basis der Datenbeschaffung. Florian Siekmann von den Grünen in Bayern bezeichnet den Kauf solcher Daten vom „Grauen Markt“ als potenziellen Skandal. Der Links‑Abgeordnete Niklas Schrader aus Berlin kritisiert das fehlende Informationsverhalten als „inakzeptabel“ und warnt vor wachsendem Misstrauen in der Bevölkerung.

Journalist*innen in Gefahr?

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) sieht in den Praktiken der Polizei eine direkte Bedrohung für die Pressefreiheit. Mika Beuster, Bundesvorsitzender des DJV, betont, dass das Tracking von Reporter‑Standorten durch die Behörden nicht tolerierbar sei. Der Verband fordert ein generelles Verbot, dass Polizeibehörden kommerzielle Standortdaten nutzen dürfen.

Die Debatte um Überwachungskapitalismus und Rechtsstaatlichkeit

Die aktuelle Kontroverse stellt die Verquickung von Überwachungskapitalismus und staatlicher Überwachung in den Mittelpunkt. Kritiker argumentieren, dass der Staat nicht auf billige Daten aus dem freien Markt zurückgreifen sollte, um gesetzliche Hürden zu umgehen. Stattdessen müsse jede Datenerhebung streng nach den Vorgaben des Grundgesetzes, mit richterlicher Genehmigung und klar definierten Zweckbindung erfolgen.

Die Opposition bleibt dran und verlangt von den Landesregierungen schriftliche Auskünfte zu allen bereits getätigten bzw. geplanten Datenkäufen. Erst wenn vollständige Transparenz hergestellt ist, könnten das Vertrauen der Bevölkerung und die Legitimität der Polizeiarbeit gesichert werden.

Source: https://netzpolitik.org/2026/databroker-deals-der-polizei-opposition-fordert-aufklaerung-in-acht-bundeslaendern/

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