Ein interstellarer Besucher, der älter als unsere Sonne ist
Im Sommer 2025 entdeckten Astronomen ein ungewöhnliches Objekt, das den Namen 3I/ATLAS erhielt. Es gehört zu den seltenen interstellaren Körpern, die das Sonnensystem durchqueren – nach dem Oumuamua‑Stück von 2017 und dem Kometen Borisov von 2019. Während die Öffentlichkeit noch über mögliche außerirdische Raumschiffe spekulierte, brachte die Wissenschaft bald klare Erkenntnisse.
Die „Atemzone“ des Kometen untersucht
Mit den hochmodernen Observatorien James‑Webb‑Teleskop und ALMA richteten Forscher ihr Augenmerk nicht auf den festen Kern, sondern auf die umgebende Gasschicht, die sogenannte Coma. Diese dünne Wolke aus Wasserdampf, Kohlendioxid und Kohlenmonoxid entsteht, sobald die Sonne das Eis erwärmt und damit Moleküle freisetzt.
Besonders interessant waren hierbei die schweren Isotope, die tiefere Hinweise auf die Entstehungsbedingungen des Objekts geben.
Ein ungewöhnlich hoher Anteil schweres Wasser
Die Analyse zeigte, dass fast ein Prozent des Wassers aus Deuterium – schwerem Wasserstoff – besteht. Dieser Wert übertrifft alle bisherigen Messungen an Kometen unseres Sonnensystems bei weitem. Ein so hoher Deuterium‑Gehalt entsteht nur bei extrem niedrigen Temperaturen (< ‑240 °C) in einer Umgebung, die stark von Strahlung durchdrungen ist.
Kohlenstoff‑Isotope als Altersanzeiger
Auch das Verhältnis der beiden Kohlenstoffisotope fiel auf: 3I/ATLAS enthält deutlich weniger Kohlenstoff‑13 als die Sonne, die Planeten oder die meisten Meteoriten. Da Kohlenstoff‑13 im Laufe von Milliarden Jahren in Sternen produziert wird, weist ein geringes Vorkommen auf ein sehr altes, fast primordiales Material hin – ein Relikt aus einer Zeit, als die Milchstraße noch jung war.
Eine kosmische Zeitkapsel von zwölf Milliarden Jahren
Zusammengefasst deuten die Messwerte darauf hin, dass 3I/ATLAS in einer kalten, stark bestrahlten Gaswolke entstanden ist, die kaum schwere Elemente enthielt. Solche Bedingungen waren vor etwa zwölf Milliarden Jahren üblich, kurz nach der Entstehung der ersten Sterne. Der Komet ist somit eine Art „Zeitkapsel“, die Informationen über die frühesten Phasen unserer Galaxie bewahrt.
Die Entdeckung liefert nicht nur Einblicke in die Chemie des frühen Universums, sondern erweitert auch unser Verständnis davon, wie häufig interstellare Objekte sein könnten und welche Rolle sie beim Austausch von Materie zwischen Sternen spielen.