Einleitung
Einführung in die mikrobielle Welt des gemeinsamen Wohnens: Wenn Menschen ein Zuhause, ein Bad und sogar ein Bett teilen, kommt es zwangsläufig zu einem intensiven Austausch von Mikroorganismen. Eine aktuelle Untersuchung der Universität Trento hat dieses Phänomen systematisch analysiert und überraschende Muster aufgedeckt.
Wie viel Mikrobiom wird geteilt?
Die Forschenden sammelten 1.644 gepaarte Proben von Speichel und Stuhl von Personen, die zusammenlebten. Durch die Bestimmung nicht nur der Arten, sondern auch der einzelnen Stämme konnten sie feststellen, welche Mikroben genau von einem Individuum auf das andere übergegangen sind. Bei gewöhnlichen Mitbewohnern entsprach der Anteil gemeinsamer Mundbakterienstämme etwa einem Viertel. Bei völlig fremden Personen lag dieser Wert praktisch bei Null.
Romantische Partner als Super‑Teiler
Bei Paaren, die nicht nur den Haushalt, sondern auch das Bett teilen, stieg der Anteil auf beeindruckende 44 % der Mundflora. Dieser hohe Prozentsatz übertrifft bereits die Werte von Geschwistern, Eltern oder Kindern. Interessanterweise teilen Partner im Darm deutlich weniger Stämme – ein Hinweis darauf, dass der häufige Kusskontakt die Hauptursache für den intensiven Austausch darstellt.
Gesundheitliche Implikationen
Die Analyse ging weiter und identifizierte jene Darmbakterien, die am leichtesten von Mensch zu Mensch übertragen werden. Überraschenderweise waren dies vornehmlich keime, die in früheren Studien mit einer ungünstigen kardiometabolischen Gesundheit in Verbindung gebracht wurden, etwa bei Typ‑2‑Diabetes. „Gute“ Mikroben hingegen breiteten sich relativ selten aus. Wichtig zu betonen bleibt, dass die Studie lediglich Korrelationen aufzeigt – ein Kuss führt nicht direkt zu Diabetes.
Unerwartete Entdeckungen
Ein besonders interessanter Befund betraf die Art Bifidobacterium longum. Obwohl diese sowohl im Mund als auch im Darm vorkommt, handelte es sich in den beiden Bereichen immer um unterschiedliche Stämme. Die Mundvariante stellt demnach eine neu beschriebene Unterart dar, die sich ausschließlich dort ansiedelt – ein erstes Beispiel einer Spezies, die klare Habitat‑Präferenzen innerhalb desselben Wirts aufweist.
Schlussbetrachtung
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass das tägliche Zusammenleben nicht nur soziale, sondern auch mikrobielle Konsequenzen hat. Während das Teilen von Mikroben an sich ein natürlicher Prozess ist, wirft die leichte Übertragung potentiell schädlicher Keime Fragen nach Hygienestrategien in Paarbeziehungen auf. Weitere Forschung wird nötig sein, um zu verstehen, warum gerade unvorteilhafte Bakterien besonders mobil sind und wie man das Gleichgewicht im persönlichen Mikrobiom positiv beeinflussen kann.
Source: https://scientias.nl/wie-samenwoont-deelt-zijn-bacterien-en-koppels-delen-het-meest/