Brendan Foody wirft Sequoia Geldmarkt‑Manöver vor

Der Mitbegründer von Mercor, einem KI‑basierten Talent‑Marktplatz, hat in den sozialen Medien eine brisante Anschuldigung gegen die berühmte Risikokapitalgesellschaft Sequoia erhoben. Nach eigenen Angaben beobachte er in den letzten sechs Monaten mindestens ein halbes Dutzend Finanzierungsrunden, bei denen Sequoia in zwei Tranchen zu unterschiedlichen Bewertungen investiere. Während ein Teil des Kapitals zu einer stark reduzierten Bewertung eingezogen werde, solle das Unternehmen den Rest zu einem überhöhten Preis belegen – ein Vorgehen, das den öffentlichen Eindruck eines enormen Unternehmenswertes erzeuge, obwohl die durchschnittliche Einstiegskosten tatsächlich deutlich niedriger liege.

Wie das „Dual‑Pricing“ funktioniert

Der Mechanismus beruht darauf, dass die führende VC‑Firma zunächst einen großen Anteil des Geldes zu einer bevorzugten, niedrigen Bewertung bereitstelle. Anschließend werde ein kleinerer Betrag zu einem viel höheren Preis in dieselbe Finanzierungsrunde eingespeist. Der veröffentlichte „Headline‑Valuation“ spiegele dann nur die teurere Tranche wider, was das Bild eines Marktführers schaffe. In der Praxis bedeutet das, dass GründerInnen und Mitarbeitende oftmals mit einem überhöhten Wert konfrontiert werden, der nicht die wahre Kostenbasis widerspiegelt.

Beispiele aus der Praxis

Ein klassisches Fallbeispiel ist das KI‑gestützte IT‑Help‑Desk‑Startup Serval. Laut Wall Street Journal wurde im Zuge einer Series‑B‑Runde ein Wert von einer Milliarde Dollar angekündigt, obwohl das Unternehmen bereits wenige Wochen zuvor im Rahmen einer Series‑A‑Erweiterung mit weniger als 400 Millionen Dollar bewertet war – ein Unterschied von über 600 Millionen, der ausschließlich durch die zweistufige Preisgestaltung erklärt werden kann. Ein weiteres Beispiel ist Aaru, das von Redpoint zu einer Milliarde Dollar angegeben wurde, obwohl die eigentliche Investition bei 450 Millionen Dollar lag.

Sequoias Sichtweise

Shaun Maguire, Partner bei Sequoia, reagierte auf Foody’s Vorwürfe und bezeichnete das Vorgehen als „Marktrealität“ statt als Betrug. Er erklärte, dass andere Investoren häufig bereit seien, deutlich höhere Multiplikatoren zu zahlen, wenn ein heißes KI‑Unternehmen ansteht. Sequoia wolle daher die Beziehung zum Unternehmen von der Kapitalbereitstellung entkoppeln und biete deshalb verschiedene Bewertungsstufen an. Maguire betonte, dass er keine unlauteren Absichten erkenne und forderte zusätzliche Beispiele für potenziell fragwürdiges Verhalten.

Folgen für Mitarbeitende und Optionen

Die Praxis wirft Fragen zur Bewertung von Aktienoptionen auf. Laut Jason Woon von Armanino, einem Anbieter unabhängiger 409A‑Gutachten, sollten Optionspreise den gemittelten Wert aller Tranchen berücksichtigen und nicht ausschließlich den veröffentlichten Spitzenwert. Eine Diskrepanz kann zu überhöhten Optionen führen, die später bei einem echten Exit kaum realisierbar sind.

Ob die beschriebenen Strukturen tatsächlich als „Scam“ eingestuft werden können, bleibt umstritten. Sie bieten zweifellos einen Boost für das öffentliche Bild eines Unternehmens, stellen jedoch Gründerinnen und Gründer vor das Dilemma, zwischen ehrlicher Transparenz und dem Wunsch nach attraktiver Bewertung zu balancieren.

Source: https://techcrunch.com/2026/06/08/mercors-brendan-foody-calls-out-sequoia-over-dual-pricing-valuation-tricks/

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