Ein teures Arsenal für die Migrationskontrolle

Die US-Einwanderungsbehörde ICE hat in den letzten Jahren ein umfangreiches digitales Instrumentarium aufgebaut, das sowohl klassische forensische Methoden als auch hochmoderne KI‑Gestützte Anwendungen umfasst. Mit fast zwei Milliarden Euro, die allein für die genannten Werkzeuge aufgewendet wurden, entsteht ein Netzwerk, das Migrant*innen identifiziert, überwacht und letztlich zu Abschiebungen führen kann.

Forensische Software aus Israel

Ein zentraler Baustein ist die Software von Cellebrite, einem israelischen Unternehmen, das die Auslese von beschlagnahmten Smartphones ermöglicht. Mit dieser Technologie können Kommunikations‑ und Inhaltsdaten selbst dann extrahiert werden, wenn die Geräte gesperrt sind. Zusätzlich nutzte ICE zeitweise die Spyware Graphite von Paragon Solutions, um verdeckt auf Mobilgeräte zuzugreifen und damit weitere Informationen zu sammeln.

Gesichtserkennung aus den USA

Ein weiteres Kernstück ist die Gesichtserkennungs‑Lösung von Clearview AI. Diese vergleicht hochauflösende Fotos mit einer milliardenschweren Bilddatenbank, die aus öffentlich zugänglichen Quellen des Internets gespeist wird. Damit lassen sich Personen schnell identifizieren und mit bereits vorhandenen Dossiers abgleichen.

Cloud‑ und KI‑Dienste von Microsoft

Alle bei Ermittlungen anfallenden Daten werden vorwiegend in Microsoft Azure gespeichert und verarbeitet. Über Azure greift ICE auf KI‑gestützte Dienste zu, die Videoanalyse, Gesichts‑, Text‑ und Objekterkennung automatisieren. Die Kombination aus Cloud‑Speicher und maschinellem Lernen erlaubt eine nahezu in Echtzeit erfolgende Auswertung riesiger Datenmengen.

Vernetzung verschiedener Datenquellen

Besonders beunruhigend ist die Art, wie disparate Datensätze zusammengeführt werden. Passagierlisten, Einwanderungsakten, Social‑Media‑Profile, Werbe‑IDs von Smartphones, Adressdatenbanken und bereits erhobene Gesichtsbilder werden zu zentralen Dossiers kombiniert. Diese können von unterschiedlichen Behörden eingesehen und fortlaufend ergänzt werden – ein Netzwerk, das weit über die ursprünglichen Zwecke der einzelnen Datenquellen hinausgeht.

Finanzielle Perspektiven und politische Implikationen

Der US‑Senat hat kürzlich weitere rund 60 Milliarden Euro für ICE freigegeben, ein großer Teil davon wird vermutlich in die Weiterentwicklung und Skalierung der digitalen Migrationsabwehr fließen. Auch in Deutschland wird das Thema relevant, besonders im Hinblick auf bevorstehende Landtagswahlen, in denen die AfD potenziell das Innenministerium besetzen könnte. Während deutsche Bundesländer derzeit noch nicht über ein derart umfassendes System verfügen, zeigt das US‑Beispiel, wie schnell technische Mittel nach einer autoritären Machtübernahme zu zentralen Instrumenten staatlicher Überwachung werden können.

Source: https://www.golem.de/news/ice-ueberwachung-abschieben-per-algorithmus-2606-209654-3.html

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