Ein überraschendes Verhaltensmuster

Wenn die Sonne hoch am Himmel steht, suchen die meisten Lebewesen – Menschen ebenso wie viele Tiere – sofort den Schatten. Das erscheint logisch, weil der Schatten in der Regel deutlich kühler ist als die direkte Sonneneinstrahlung. Doch die Forschung auf Yakushima, einer japanischen Insel, zeigt, dass japanische Makaken (Macaca fuscata) diese Erwartung nicht immer befolgen. An besonders warmen Tagen wählen sie nicht zwangsläufig die kühlste, vollschattige Stelle, sondern bevorzugen häufig ein Zwischending: Halb‑ und Teil‑Schatten.

Die Studie von Yoshiyuki Tabuse

Yoshiyuki Tabuse von der Kyoto University beobachtete im Zeitraum Oktober 2020 bis Oktober 2021 eine Gruppe von 24 ausgewachsenen Weibchen. Insgesamt sammelte er 722 Beobachtungen, bei denen die Affen ruhten oder ruhiges Sozialverhalten zeigten, stets an sonnigen Tagen, an denen alle drei mikroklimatischen Optionen – Sonne, Halb‑Schatten und Voll‑Schatten – verfügbar waren. Die Aufteilung erfolgte nach dem Prozentsatz der Körperfläche, die direktem Sonnenlicht ausgesetzt war: 0‑33 % galt als Schatten, 33‑67 % als Halb‑Schatten und 67‑100 % als Sonne.

Ergebnisse: Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Platzwahl

Die Auswertung offenbarte ein deutliches Muster. Bei niedrigen Außentemperaturen spielte die Luftfeuchtigkeit kaum eine Rolle. Sobald die Temperaturen jedoch stiegen, wechselte das Verhalten der Makaken je nach Feuchtigkeitsgrad der Luft. An heißen und feuchten Tagen suchten die Affen überwiegend den vollen Schatten, während sie an heißen, aber trockenen Tagen vermehrt halbverschattete Plätze bevorzugten.

Dieses Ergebnis legt den Schluss nahe, dass Halb‑Schatten nicht zufällig gewählt wird, sondern eine gezielte thermoregulatorische Funktion erfüllt. Durch die Teil‑Exposition gegenüber Sonnenlicht können die Tiere ihre Körpertemperatur feinjustieren, ohne komplett von der Wärme abgeschnitten zu sein. Der genaue physiologische Mechanismus bleibt bislang unklar, sodass Tabuse plant, in Folgestudien den spezifischen Nutzen von Teil‑Schatten bei trockenem Klima zu untersuchen.

Warum das wichtig ist

Die Studie hebt die Rolle der Luftfeuchtigkeit als entscheidenden Faktor für das Verhalten von warmblütigen Tieren hervor – ein Aspekt, der in vielen bisherigen Hitzestress‑Untersuchungen zu kurz kommt. In Zeiten des Klimawandels, in denen zahlreiche Ökosysteme zunehmend wärmer werden, ist das Verständnis solcher Mikrohabitat‑Strategien entscheidend. Tiere können nicht immer in kühlere Gebiete auswandern; vielmehr müssen sie innerhalb ihres bestehenden Lebensraums adaptive Verhaltensweisen entwickeln, um die steigende Hitze zu überleben.

Die Erkenntnisse von Tabuse zeigen, dass selbst scheinbar triviale Entscheidungen – wie die Wahl zwischen Sonnenlicht und Schatten – komplexe Wechselwirkungen mit Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Körperphysiologie besitzen. Dieses Wissen könnte nicht nur die Ökologie von Makaken, sondern auch von anderen warmblütigen Arten in wärmeren Regionen bereichern.

Source: https://scientias.nl/japanse-makaken-zoeken-tijdens-een-warme-dag-niet-altijd-de-koelste-plek-op/

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