Neue britische Studie: Angst im Alter und autistische Merkmale
Eine umfangreiche Untersuchung von King’s College London hat Aufschluss darüber gegeben, wie sich Angst im höheren Lebensalter entwickelt – und zwar insbesondere bei Menschen, die ausgeprägte autistische Eigenschaften besitzen, ohne formell diagnostiziert zu sein. Während die überwiegende Mehrheit der senioren Teilnehmenden über die Jahre hinweg stabile, niedrige Angstwerte zeigte, offenbarte ein kleiner Prozentsatz ein kontinuierlich steigendes Angstniveau.
Methodik und Stichprobe
Die Analyse beruhte auf Daten von 5.270 Briten im Alter von 50 bis 91 Jahren, die im Rahmen der groß angelegten PROTECT-Studie über acht Jahre hinweg jährlich untersucht wurden. Durch fortgeschrittene statistische Verfahren konnten individuelle Angstverläufe erfasst und in drei klar unterscheidbare Gruppen eingeteilt werden.
Die drei Angstprofile
Die dominierende Gruppe (85,5 %) wies über den gesamten Beobachtungszeitraum sehr niedrige und stabile Angstwerte auf. Eine weitere Gruppe (12,4 %) berichtete von leicht erhöhten, aber ebenfalls konstanten Angstsymptomen. Nur rund 2 % der Befragten zeigten ein deutliches Ansteigen der Angst, das sich über die Jahre hinweg fortsetzte.
Autistische Züge als Risikofaktor
Interessanterweise waren Personen mit vielen autistischen Merkmalen in allen drei Gruppen vertreten, jedoch war ihr Risiko, in die kleine, steigende Angstgruppe zu fallen, mehr als viermal höher als bei Menschen mit wenigen oder keinen solchen Eigenschaften. Zusätzlich litten sie doppelt so häufig an anhaltenden leichten Angstbeschwerden.
Warum die Zunahme unbekannt bleibt
Die genauen Ursachen für das wachsende Angstpotenzial bei älteren Menschen mit autistischen Zügen sind noch nicht abschließend geklärt. Mögliche Einflussfaktoren sind soziale Isolation, chronische Stresssituationen, Einsamkeit und Barrieren im Gesundheitssystem, die eine frühzeitige Behandlung verhindern.
Folgen für die Versorgung
Ein bedeutsamer Befund der Studie ist, dass etwa neun von zehn älteren Erwachsenen mit autistischen Merkmalen nie eine offizielle Diagnose erhalten haben. Ohne diese diagnostische Klarheit erhalten sie häufig keine gezielte Unterstützung für ihre psychische Gesundheit. Experten betonen, dass bereits leichte Angstzustände ernst genommen und durch speziell angepasste Psychotherapien, etwa modifizierte kognitive Verhaltenstherapie, behandelt werden sollten, um einer Verschlimmerung vorzubeugen.
Die Ergebnisse unterstreichen die Dringlichkeit, das Bewusstsein für die besonderen Bedürfnisse dieser wachsenden Bevölkerungsgruppe zu schärfen und geeignete, altersgerechte Interventionsstrategien zu entwickeln.
Source: https://scientias.nl/je-wordt-niet-per-se-angstiger-met-de-jaren-tenzij-je-deze-eigenschappen-hebt/