Ein neuer Räuber aus Patagonien

Im südlichen Teil Patagoniens wurde ein bislang unbekannter, raptorartiger Dinosaurier identifiziert, dessen Lebensweise erstaunlich an die heutiger Reiger erinnert. Die Art trägt den Namen Kank australis und fügt sich in ein bislang lückenhaftes Bild der späten Kreidefauna Südamerikas ein.

Namensgebung und mythologische Wurzeln

Der Gattungsname Kank stammt aus einer Erzählung der Aónikenk, einer Gruppe der indigenen Tehuelche. In der Sage wird ein gigantischer Laufvogel namens "Kakn" beschrieben, dessen mächtige Schritte Sternbilder berühren – ein Hinweis auf das Südkreuz. Das Artwort australis bedeutet schlicht „aus dem Süden“ und verweist auf die Herkunft der Fossilien, die nahe der Farm La Anita, nicht weit von El Calafate in Argentinien, entdeckt wurden.

Fossilienfund und körperliche Merkmale

Die ersten Überreste traten 2018 zutage, doch erst später – insbesondere ein im Jahr 2024 geborgener Halswirbel – ließen deutlich erkennen, dass es sich um eine neue Spezies handelte. Bisher wurden Zähne, Wirbel und Zehenknochen geborgen. Vergleichende Analysen deuten darauf hin, dass ausgewachsene Tiere zwischen 2,5 und 3 Meter lang wurden, also zu den mittelgroßen Fleischfressern jener Zeit gehörten.

Lebensweise à la Reiger

Die Forscher vermuten, dass Kank australis in unmittelbarer Nähe zu Gewässern lebte und dort vornehmlich Fische jagte. Besonders die Halswirbel weisen spezielle Strukturen auf, die bei modernen Vögeln – etwa Reigern – für komplexe Nackenbewegungen und die Stabilisierung von Blutgefäßen nötig sind. Begleitend zu den Dinosaurierfunden wurden Fischskelette in denselben Gesteinsschichten entdeckt, was die Annahme eines fischbasierten Nahrungsstamms weiter untermauert. Dennoch könnten auch Amphibien, kleine Echsen oder junge Schildkröten Teil seiner Beute gewesen sein.

Ökologische Einordnung und weitere Forschung

Im selben sedimentären Umfeld lebten frühere Säugetiere wie Patagorhynchus pascuali, ein Verwandter der heutigen Schnabeltieren, sowie der riesige Theropode Maip macrothorax, der mit über zehn Metern Länge potenziell Raubtiere von Kank gewesen sein könnte. Die Entdeckung ist bemerkenswert, weil im südlichen Patagonien bislang kaum Vertreter dieser kleinen bis mittelgroßen, zweibeinigen Raubdinosaurier gefunden wurden. Bisher waren ähnliche Arten vorwiegend im Norden Patagoniens, in der Antarktis, Australien und Madagaskar belegt. Das Forschungsteam plant, die Chorrillo‑Formation weiter zu durchsuchen, um das ökologische Netzwerk besser zu verstehen und die genaue Position von Kank australis darin zu klären.

Source: https://scientias.nl/nieuwe-dinosaurus-uit-patagonie-viste-als-een-reiger/