Einleitung
Wilde Schweine gelten gemeinhin als Plageverursacher: Sie wühlen, zerstören Äcker und werden häufig als die ärgerlichsten invasiven Säugetiere bezeichnet. Doch eine aktuelle Untersuchung der Aarhus Universität aus dem Osten der USA eröffnet ein differenzierteres Bild. Die Forschenden fanden überraschend weniger invasive Pflanzenarten an Standorten, an denen diese Tiere besonders häufig anzutreffen waren.
Methodisches Vorgehen
Die Analyse beruhte auf einer riesigen Datenbank von mehr als 68.000 Beobachtungsfeldern für Weißhirsen und rund 32.000 Felder für verwilderte Schweine, Wildschweine und deren Kreuzungen. Ergänzt wurde das Material durch Aufnahmen des Snapshot‑USA‑Programms 2021, das ein dichtes Netz von Kamerafallen im gesamten Land betreibt. So konnten die Forschenden präzise kartieren, wo sich die beiden Säugetiergruppen bewegen, und gleichzeitig Umweltvariablen wie Klima, Topographie, menschliche Nutzung und Waldstruktur in ihre Modelle einfließen lassen.
Ergebnisse im Überblick
Die Ergebnisse wiesen klare Gegensätze auf: In Gebieten mit vielen Hirschen war die Anzahl junger einheimischer Borkenkappen geringer, während invasive Gewächse vermehrt vorkamen. Im Gegensatz dazu zeigte sich bei einer intensiven Präsenz von Schweinen ein Rückgang sowohl der Artenzahl als auch der Häufigkeit invasiver Pflanzen. Die Autorinnen und Autoren vermuten, dass die unterschiedlichen Ernährungsweisen der beiden Tiergruppen hierfür verantwortlich sind.
Erklärung durch Futterwahl
Hirsche sind wählerische Fresser, die vor allem Blätter und zarte Triebe bevorzugen. Dieser selective Konsum schwächt oft junge einheimische Setzlinge, lässt aber Platz für robustere, nicht einheimische Arten, die weniger attraktiv für die Hirsche sind. Schweine hingegen agieren als Allesfresser und durchwühlen den Boden nach Wurzeln, Knollen und anderen organischen Bestandteilen. Diese Aktivität kann invasiven Pflanzen die Lebensgrundlage entziehen und deren Etablierung erschweren.
Einfluss des Landschaftscharakters
Zusätzlich spielten klimatische Bedingungen und Hangneigungen eine wesentliche Rolle. Warme, feuchte Regionen ermöglichten eine schnellere Regeneration des Waldes, während steile Gefilde seltener von beiden Tierarten frequentiert wurden – vermutlich, weil sie schwer zugänglich sind. Diese Faktoren verstärkten die beobachteten Muster, ohne sie vollständig zu erklären.
Implikationen für das Naturschutzmanagement
Der Leitgedanke des Hauptforschers Ming Ni lautet, die Wirkung von Tieren nicht allein anhand ihrer Herkunft zu bewerten, sondern ihr Verhalten und ihre ökologischen Eigenschaften stärker zu berücksichtigen. Das Ergebnis bedeutet jedoch nicht, dass wilde Schweine nun als uneingeschränkte Helden gefeiert werden sollten – ihre Schäden in Agrarlandschaften bleiben nach wie vor gravierend. Vielmehr liefert die Studie Anhaltspunkte dafür, dass tierische Akteure vielseitige und manchmal widersprüchliche Rollen in Ökosystemen einnehmen können.
Source: https://scientias.nl/lastpak-of-bosbeschermer-wilde-varkens-blijken-soms-verrassend-nuttig-te-zijn/