Ein neuer Blick auf die Gesundheit wilder Schlangen
Ein umfassendes Screening von über fünfhundert Individuen aus 29 Arten hat gezeigt, dass die Mehrheit der in den südöstlichen USA lebenden Schlangen nicht nur einem, sondern mehreren Erregern ausgesetzt ist. Die Untersuchung, veröffentlicht in Frontiers in Veterinary Science, kombiniert Krankheitsnachweise aus Hautproben, Blut, Kot und nekropsiebasierten Analysen, um ein umfassendes Bild der mikrobialen Belastung zu zeichnen.
Dominierende Erreger – von Pilzen bis zu Bakterien
Die häufigste Entdeckung war das Bakterium Salmonella enterica, das bei 63 % der Proben identifiziert wurde. Auf dem zweiten Platz folgte das Parasiten‑Genus Hepatozoon, das in 53 % der Tiere nachgewiesen wurde. Besonders bemerkenswert ist die Verbreitung der Pilzkrankheit Snake Fungal Disease (SFD), ausgelöst durch Ophidiomyces ophidiicola. Diese Pilzinfektion wurde vor allem bei Zwergklapperschlangen gefunden, wo 12 von 34 Individuen positiv waren.
Die gefährliche Kombination von Erregern
Bei rund 44 % der untersuchten Schlangen wurden mindestens zwei pathogene Organismen gleichzeitig nachgewiesen. Fast ein Drittel trug genau zwei Erreger, 11 % hatten drei und sogar 3 % wiesen vier unterschiedliche Mikrobiota auf. Forschende betonen, dass ein erstes Infektionsereignis das Immunsystem schwächt und damit sekundäre Erreger – die zuvor kaum Symptome verursacht haben – in die Lage versetzt, erhebliche Schäden anzurichten.
Artenabhängige Suszeptibilität
Die Daten legen nahe, dass nicht alle Arten gleich stark gefährdet sind. Zwergklapperschlangen (eine Unterart der Klapperschlangen) scheinen besonders anfällig zu sein, vermutlich weil ihr Bestand bereits durch Habitatverlust und direkte Mortalität durch den Menschen belastet ist. Zusätzlich spielt die Ernährung eine Rolle: Diese Schlangen ernähren sich häufig von Amphibien und kleinen Reptilien, die als Wirte für den invasiven Lungenwurm fungieren können. In Florida wurde dieser Lungenwurm ausschließlich bei den dortigen Proben gefunden.
Grenzen und Implikationen der Studie
Obgleich die Proben aus einem begrenzten geografischen Korridor stammen, liefert die Studie wichtige Hinweise für Naturschützer. Das Auftreten von SFD war in Georgia besonders hoch, während der Lungenwurm auf Florida beschränkt war. Das Ergebnis legt nahe, dass lokale Translokationen von Schlangen potenziell krankheitserregende Mikroben in neue Gebiete einführen könnten.
Insgesamt verdeutlicht die Untersuchung, wie komplex die Dynamik von Mehrfachinfektionen in Wildpopulationen ist und warum ein integrativer Ansatz beim Monitoring von Wildtieren nötig ist.
Source: https://scientias.nl/wilde-slangen-dragen-vaker-een-cocktail-van-ziekteverwekkers-bij-zich/