Einführung
Auf der Berliner Jugend‑Konferenz Tincon präsentierten die Co‑Vorsitzenden der neu eingesetzten Expert*innen‑Kommission „Kinder‑ und Jugendschutz in der digitalen Welt“ ihre bislang erarbeiteten Leitgedanken. Die Veranstaltung verlief parallel zur bekannten Digitalkonferenz re:publica und zog ein jüngeres Publikum an, das unmittelbar von den kommenden Maßnahmen betroffen sein wird.
Drei tragende Pfeiler
Die Empfehlungen sollen auf drei Fundamenten ruhen: Schutz, Befähigung und Teilhabe. Schutz meint präventive Maßnahmen, die Jugendliche vor schädlichen Inhalten und manipulativen Mechanismen bewahren. Befähigung zielt darauf ab, digitale Kompetenzen zu stärken, sodass junge Menschen informierte Entscheidungen treffen können. Teilhabe schließlich soll die aktive Mitwirkung an der Online‑Gesellschaft ermöglichen, ohne dass sie dabei ausgebeutet werden.
Kein generelles Social‑Media‑Verbot
Entgegen der verbreiteten Annahme, dass die Kommission ein „Social‑Media‑Verbots‑Gremium“ sei, betonten Nadine Schön (CDU) und Olaf Köller (Kiel) klar, dass ihr Auftrag deutlich breiter gefasst ist. Ein pauschales Verbot, wie es Australien momentan testet, könne den komplexen Nutzen und die Risiken des Internets nicht adäquat abbilden. Der Zwischenbericht aus dem April zeigte bereits, dass ein Verbot mehr Schaden als Nutzen bringen könnte.
Manipulative Plattform‑Designs im Fokus
Ein zentrales Thema ist das sogenannte „Addictive Design“: Endlos‑Scrollen, push‑Basierte Benachrichtigungen und andere psychologisch wirksame Elemente, die Nutzer*innen länger als gewollt auf Apps wie TikTok oder Instagram verweilen lassen. Die Expert*innen prüfen, wie bestehende Rechtsinstrumente – das Digitale‑Dienste‑Gesetz (DSA) sowie das geplante Gesetz über digitale Fairness (DFA) – zur Eindämmung solcher Praktiken genutzt werden können. Ziel ist es, klare Vorgaben für Entwickler*innen zu formulieren, die transparente und nutzerfreundliche Oberflächen fordern.
Rolle von Eltern, Bildungseinrichtungen und Gesundheitspersonal
Die Kommission sieht neben regulatorischen Maßnahmen vor allem die Verantwortung von Eltern, Kindertagesstätten, Schulen, Jugendarbeit und Ärzt*innen. Durch Aufklärungsprogramme, gezielte Beratung und altersgerechte Medienpädagogik soll ein Umfeld geschaffen werden, das junge Menschen stärkt und gleichzeitig Risiken mindert. Evidenzbasierte Empfehlungen sollen dabei helfen, konkrete Handlungsschritte zu definieren, die sich im Alltag bewähren.
Unabhängigkeit und kommende Publikation
Sowohl Schön als auch Köller betonten die Unabhängigkeit ihres Gremiums. Sie stehen weder unter politischem Druck noch erhalten sie Vorgaben von der Bundesregierung. Gleichzeitig sei die Behörde offen für Anregungen aus der Bevölkerung – jedoch ohne Beeinflussungsversuch. Die endgültigen Empfehlungen werden voraussichtlich am 24. Juni veröffentlicht.
Source: https://netzpolitik.org/2026/jugendschutz-empfehlungen-ein-blumenstrauss-von-vorschlaegen-und-ideen/