Einführung
Eine aktuelle Untersuchung der University of Reading hat offenbart, dass die rasante Erwärmung der Ozeane das Habitat von Seevögeln dramatisch einschränkt. Durch die Analyse von 120 Arten der Ordnung Procellariiformes – darunter Albatrosse, Sturmvögel und ihre Verwandten – konnten Forschende die Veränderungen über 60 Millionen Jahre rekonstruieren.
Warum Vögel nicht kleiner werden
Im Gegensatz zu Fischen, deren Körpergröße direkt mit der Wassertemperatur korreliert, besitzen Seevögel eine konstante Körpertemperatur. Diese Warmblütigkeit verhindert, dass ein steigender Temperaturwert zu einer Reduktion der Körpermasse führt. Stattdessen erklärt die Studie, dass nur etwa 6 Prozent der Variation in der Körpermasse durch Meeres‑Temperatur erklärt werden kann.
Geschwindigkeit ist entscheidend
Die zentrale Erkenntnis liegt nicht in der absoluten Temperatur, sondern in der Geschwindigkeit des Wandels. Der Veränderungstempo erklärt rund 35 Prozent der Unterschiede im Habitatumfang zwischen den untersuchten Arten. Arten, die historisch mit den schnellsten Klimaveränderungen konfrontiert waren, besitzen heute die kleinsten Verbreitungsgebiete und müssen die größten Entfernungen zurücklegen, um geeignete Nahrungsflächen zu finden.
Während sich die Erde früher mit einem durchschnittlichen Temperaturanstieg von 0,00002 °C pro Dekade veränderte, liegt das aktuelle Erwärmungstempo bei etwa 0,13 °C pro Dekade – ein Faktor von zehntausend gegenüber den langfristigen Trends.
Prognosen für das kommende Jahrhundert
Die Wissenschaftler verglichen das heutige Verbreitungsgebiet mit zwei IPCC‑Szenarien für 2100: dem emissionsarmen RCP 2.6 und dem stark emissionsintensiven RCP 8.5. Im günstigen Szenario bleiben viele Arten relativ stabil, während im pessimistischen Szenario über 70 Prozent der untersuchten Vögel erhebliche Habitatverluste erleiden würden.
Besonders gefährdet sind vier Arten: der Galápagos‑Sturmvogel, der Jouanin‑Sturmvogel, der Weißflügel‑Sturmvogel und der Bounty‑Albatros – sie stehen kurz vor dem Aussterben, sollten die Temperaturen wie im RCP 8.5‑Modell weiter ansteigen.
Fazit
Die Forschung betont, dass die Geschwindigkeit des Klimawandels das größte Risiko für marine Vogelpopulationen darstellt. Ohne rasche Emissionsreduktionen zwingt die Erhitzung die Vögel zu immer längeren Flügen über offene Ozeane, was ihre Überlebenschancen stark reduziert.