Alkohol – ein unterschätzter Gesundheitsfaktor

Studie von Harvard und WHO deckt alarmierende Zahlen auf

Ein neues, umfassendes Review von Forschern der Harvard University in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt das verbreitete Bild des „gesunden Glases Rotwein“ grundlegend infrage. Die Analyse kombiniert Daten aus Hunderten von Beobachtungsstudien und kommt zu dem Ergebnis, dass Alkohol in mehr als sechzig Krankheitsbildern die Hauptursache ist. Ohne den Konsum von Spirituosen, Bier oder Wein würden diese Leiden schlichtweg nicht existieren.

Von Krebs bis Infektionen – ein breites Schadensspektrum

Zu den besonders gravierenden Folgen gehören diverse Krebsarten (Brust‑, Darm‑, Leber‑ und Kehlkopfkrebs), schwere Lebererkrankungen wie Zirrhose, sowie das fetale Alkoholsyndrom (FAS), das bei Neugeborenen irreversible Hirnschäden verursacht. Darüber hinaus schwächt Alkohol das Immunsystem, was das Risiko für Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, Lungenentzündung, HIV/AIDS und andere sexuell übertragbare Infektionen deutlich erhöht. Selbst moderate Mengen können das Reaktionsvermögen, die Koordination und das Urteilsvermögen beeinträchtigen – ein entscheidender Faktor für Verkehrsunfälle, Stürze und gewalttätige Vorfälle.

Chronische Erkrankungen und ihr Zusammenhang mit Alkohol

Die Wissenschaftler gruppieren die Auswirkungen in fünf zentrale Kategorien: (1) Krebserkrankungen, (2) Herz‑ und Gefäßerkrankungen, (3) Typ‑2‑Diabetes, (4) neurologische Leiden wie Demenz und Epilepsie, und (5) gastrointestinale Probleme, darunter akute Pankreatitis. Interessanterweise bleibt die Annahme, dass ein kleiner täglicher Konsum kardiovaskuläre Vorteile bringt, nach Durchsicht aller verfügbaren Evidenz zweifelhaft – das Schutzpotenzial lässt sich nicht eindeutig nachweisen.

Reversibilität der Schäden – was ist möglich?

Ob die entstandenen Beeinträchtigungen rückgängig zu machen sind, hängt stark vom jeweiligen Krankheitsbild ab. Während viele Infektionen nach Abstinenz abklingen und das Immunsystem sich teilweise erholt, sind Schäden an Lebergewebe oder chronische neurodegenerative Prozesse häufig irreversibel. Dennoch kann ein reduzierter Alkoholkonsum das Fortschreiten verlangsamen und bei einigen Patienten zu einer Stabilisierung führen. Selbst bei schweren Hirnschäden besteht die Aussicht auf Teilwiederherstellung, allerdings bleibt das Risiko für spätere Demenzerkrankungen erhöht.

Fazit: Mehr Schaden als Nutzen

Zusammengefasst überwiegt das gesundheitliche Risiko von Alkohol in nahezu allen untersuchten Bereichen die vermeintlichen Vorteile. Die Autoren Sinclair Carr und Jürgen Rehm betonen, dass die Gesamtschäden – von Krebs bis zu Verletzungen im Straßenverkehr – die potenziellen positiven Effekte deutlich übertreffen. Wer also das Risiko minimieren möchte, sollte den Alkoholkonsum stark einschränken oder komplett darauf verzichten.

Source: https://scientias.nl/harde-conclusies-over-drank-en-gezondheid-meer-dan-60-ziekten-zouden-niet-bestaan-zonder-alcohol/

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