Rasches Abschmelzen der Schneedecke in den griechischen Alpen
Eine aktuelle Untersuchung der University of Cambridge hat ergeben, dass die Schneebedeckung der Berge in Griechenland seit den 1980er Jahren um mehr als die Hälfte zurückgegangen ist. In einem Zeitraum von nur vier Jahrzehnten sank das jährliche Schneevolumen um rund 58 %, wobei die Reduktion seit Beginn des 21. Jahrhunderts sogar weiter an Geschwindigkeit gewinnt. Das bedeutet, dass die einst weißen Gipfel zunehmend zu grünen Wiesen werden – ein Bild, das zwar malerisch wirkt, jedoch gravierende Folgen für das gesamte Ökosystem und die Wasserversorgung des Landes nach sich zieht.
Warum Schneefall schrumpft – nicht wegen weniger Niederschlag
Der Rückgang lässt sich nicht durch ein Absinken der Niederschlagsmenge erklären, sondern ist das Resultat steigender Lufttemperaturen. Warme Luft führt dazu, dass Regen häufiger als Schnee fällt, selbst in höheren Lagen. Forschende vergleichen die Schneedecke mit einer Sparbuch‑Konten: Regen entspricht einer sofortigen Auszahlung, während Schnee das Wasser über mehrere Monate hinweg langsam freigibt. Diese langsame Schmelze ist besonders wichtig für die trockenen, heißen Sommer Griechenlands, wenn Flüsse, Bewässerungsanlagen und Trinkwasserversorgungen stark beansprucht werden.
Innovative Methoden: Satellitenbilder, KI und snowMapper
Um das Ausmaß der Veränderungen zu quantifizieren, kombinierten die Wissenschaftler Satellitenaufnahmen von NASA und der European Space Agency mit klimatischen Messdaten und künstlicher Intelligenz. Das eigens entwickelte Analyse‑Tool snowMapper nutzt maschinelles Lernen, um Schneebereiche an wolkenverhüllten oder schattigen Tagen zu rekonstruieren. Das Ergebnis sind hochauflösende Karten (100 m Raster) für zehn zentrale Gebirgsregionen, die präzise zeigen, wo und wann Schnee fehlt.
Folgen für Menschen, Tiere und Landwirtschaft
Weniger Schmelzwasser bedeutet niedrigere Flusspegel, eingeschränkte Bewässerungsoptionen und ein erhöhtes Risiko von Dürren. Ökosysteme, die auf das stetige Auftreten von Schmelzwasser angewiesen sind, geraten unter Druck, und die Versorgung von Millionen Menschen mit Trinkwasser steht auf dem Spiel. Zudem wird die Energieerzeugung aus Wasserkraftanlagen reduziert, weil die gespeicherten Wassermengen schrumpfen.
Griechenland besonders gefährdet
Im Vergleich zu anderen Regionen ist Griechenland besonders anfällig, weil seine Winter relativ mild sind und die Einzugsgebiete der Flüsse klein sind. Das bedeutet, dass jeder Verlust an Schnee eine überproportionale Auswirkung auf die Wasserverfügbarkeit hat. Die Studie betont, dass die beobachteten Veränderungen außerhalb der natürlichen Klimaschwankungen liegen und somit ein klares Signal für den fortschreitenden Klimawandel darstellen.
Ausblick: Erweiterte Modelle und zukünftige Prognosen
Die Forschenden planen, das snowMapper‑Modell weiterzuentwickeln, um nicht nur die Fläche, sondern auch das tatsächliche Wasser‑Volumen, das im Schnee gespeichert ist, zu berechnen. Ziel ist es, bis zum Ende des Jahrhunderts präzise Vorhersagen über die Wasserverfügbarkeit in den betroffenen Einzugsgebieten zu ermöglichen und geeignete Anpassungsstrategien zu entwickeln.