Einführung
Eine internationale Recherche des niederländischen Investigativ‑Mediums Follow the Money hat aufgedeckt, dass europäische Banken, Versicherungen und Vermögensverwalter in den Jahren 2024 bis 2025 gemeinsam mindestens 27 Milliarden US‑Dollar in das US‑Tech‑Unternehmen Palantir investiert haben. Trotz wachsender Kritik an den menschenrechtlichen Auswirkungen der firmeneigenen Big‑Data‑Analyse‑Tools steigen die Bestände der größten institutionellen Geldgeber weiter an.
Warum Palantir im Fokus steht
Palantir ist bekannt für seine Softwarelösungen wie Gotham und Maven, die von Regierungsbehörden in den USA, aber auch von Militär‑ und Sicherheitsorganisationen weltweit eingesetzt werden. Die Produkte unterstützen unter anderem die US‑Einwanderungsbehörde ICE bei der Überwachung von Migrant*innen, das Pentagon bei strategischen Planungen und werden sogar im Iran und im Gazastreifen genutzt. Der Jahresumsatz des Unternehmens betrug im vierten Quartal 2025 über 1,4 Milliarden US‑Dollar, ein Wachstum, das eng mit Aufträgen aus dem öffentlichen Sektor verknüpft ist.
Finanzielle Attraktivität für institutionelle Anleger
Das starke Umsatzwachstum und die enge Anbindung an staatliche Auftraggeber haben Palantir zu einem begehrten Asset für große Kapitalanleger gemacht. Der Aktienkurs entwickelte sich seit dem Amtsantritt von Donald Trump von rund 20 Euro auf über 170 Euro im November 2025. Diese Kurssteigerung lockte nicht nur private Anleger, sondern auch Pensionsfonds, Versicherungen und Vermögensverwalter an, die Palantir über breite Indexfonds wie den MSCI World oder spezialisierte ETFs halten.
Beispiel Deutschland
Unter den deutschen Institutionen führt die Deutsche Bank AG die Liste der größten Palantir‑Aktionäre an. Ihre Bestände wuchsen von 6,7 Millionen Aktien Ende 2024 auf mehr als 11 Millionen im darauffolgenden Jahr – ein Wert von knapp 2 Milliarden US‑Dollar. Weitere Banken und Versicherer zeigen ein ähnliches Muster: trotz öffentlicher Debatten über den Einsatz der Technologie in Abschiebungs- und Militärkontexten erhöhen sie ihre Positionen.
Menschenrechtsdebatte und regulatorische Fragen
Organisationen, die sich für Menschenrechte einsetzen, warnten bereits 2023 wiederholt vor dem Einkauf von Palantir‑Aktien, da die Technologie aktiv zur Verfolgung von Flüchtlingen und zu militärischen Operationen beiträgt. Dennoch zeigt die aktuelle Zahlenlage, dass wirtschaftliche Renditeerwartungen die ethischen Bedenken überwiegen. Der Vorstoß, ESG‑Kriterien (Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) stärker zu gewichten, könnte künftig die Investmentstrategien ändern, doch bislang fehlt ein klarer regulatorischer Rahmen, der institutionelle Anleger zur Verantwortung zieht.
Ausblick
Die anhaltende Geldzuwendung aus Europa macht deutlich, dass Palantir nicht nur ein technisches, sondern vor allem ein finanzielles Schwergewicht geworden ist. Während die Debatte um die ethische Vertretbarkeit des Geschäftsmodells weiter an Fahrt gewinnt, dürfte die Nachfrage nach den Aktien in den nächsten Quartalen weiter steigen – solange die Renditeversprechen Bestand haben und das regulatorische Umfeld unklar bleibt.