Einführung

Mike Vichich wuchs in Michigan auf, umgeben von einer Familie, die dem öffentlichen Dienst verschrieben war – Lehrer, ein FBI‑Agent und mehrere Veteranen. Die Werte, die ihm dort vermittelt wurden, prägten seinen Wunsch, die Funktionsweise von Behörden zu verbessern. Nach einer Laufbahn in der Beratung gründete er ein Konsumgüter‑Startup, das 2021 für 200 Mio. $ an Olo verkauft wurde. Mit seiner Frau und dem dritten Kind im Haus begann Vichich zusammen mit seinem ehemaligen Mitgründer Brandon Max, über das nächste Kapitel nachzudenken.

Die Idee hinter Pursuit

Beide stellten schnell fest, dass der Zugang zu staatlichen Aufträgen unglaublich kompliziert ist. Die Vielzahl an staatlichen, lokalen und bildungsbezogenen (SLED) Stellen, ihre eigenen Budgets, Ausschreibungen und FOIA‑Dokumente – all das ist über das Internet verteilt, oft nur in PDFs oder Video‑Protokollen zu finden. Sie erkannten ein enormes Marktpotential: Ein intelligentes System, das diese Daten sammelt, analysiert und Unternehmen präsentiert, welche Behörden in den nächsten zwölf Monaten am ehesten Bedarf an ihren Produkten oder Services haben.

Finanzierung und Investoren

Im Frühjahr 2023 wurde Pursuit gegründet und im vergangenen Mittwoch kündigte das Unternehmen eine Series‑A‑Runde in Höhe von 22 Mio. $ an, angeführt von Mike Rosengarten (Builders VC, Mitbegründer von OpenGov). Insgesamt hat das Startup bis heute 25,5 Mio. $ von Investoren erhalten, darunter Jack Altman (Alt Capital), Bill Gurley und Sam Hinkie von 87 Capital. Die Beteiligung namhafter Wagniskapitalgeber verleiht dem Vorhaben zusätzliche Glaubwürdigkeit und eröffnet wertvolle Netzwerke im öffentlichen Sektor.

Wie das System funktioniert

Pursuit nutzt fortschrittliche KI‑Algorithmen, um kontinuierlich öffentliche Daten von rund 110 000 SLED‑Einheiten zu durchforsten. Dabei werden Haushaltspläne, Vertragsregister, FOIA‑Anfragen und Ausschreibungen ausgewertet. Die KI extrahiert Schlüssel­indikatoren – etwa Budgetgrößen, aktuelle Herausforderungen und Verantwortliche – und erstellt daraus ein dynamisches Bild potenzieller Geschäftsmöglichkeiten. Kunden erhalten dann eine personalisierte Liste von Behörden, die in den nächsten Monaten am wahrscheinlichsten ihre Produkte oder Dienstleistungen benötigen.

Der Service wird als „AI‑Klon“ des eigenen Vertriebsteams beschrieben: Er kennt sämtliche Entwicklungen in jedem relevanten Account, erkennt Trends und liefert Handlungs‑empfehlungen, bevor ein offizielles Ausschreibungsverfahren gestartet wird. So können Unternehmen schneller reagieren, gezielte Angebote erstellen und ihre Erfolgsquote bei Regierungsaufträgen deutlich erhöhen.

Markt und Konkurrenz

Pursuit betritt ein wachsames Feld, in dem bereits Akteure wie Starbridge, GovSpend und Deltek GovWin IQ aktiv sind. Der Unterschied liegt jedoch in der Tiefe der Datenaggregation und der automatisierten Analyse. Während andere Plattformen häufig auf manuelle Eingaben oder begrenzte Datenquellen setzen, crawlt Pursuit nahezu sämtliche öffentlichen Quellen und wandelt das verstreute „Sonnenlicht“ in verwertbare Insights um.

Ausblick

Vichich hofft, dass Pursuit die Transparenz im SLED‑Markt erhöht und Unternehmen jeder Größe die Chance gibt, an öffentlichen Projekten teilzunehmen. Durch die Reduktion von Such‑ und Analyse‑Kosten sollen kleine und mittelständische Unternehmen genauso profitieren können wie etablierte Player. Sollte sich das Modell bewähren, könnte es langfristig das Verfahren zur Vergabe von staatlichen Aufträgen grundlegend beschleunigen und vereinfachen.

Source: https://techcrunch.com/2026/04/29/bill-gurley-jack-altman-back-startup-pursuit-which-helps-companies-sell-to-government/