Neue Vorwürfe gegen das Y‑Combinator‑Startup Delve

Eine anonyme Quelle, die sich selbst DeepDelver nennt, hat in dieser Woche weitere Anschuldigungen gegen Delve veröffentlicht. Neben bereits bekannten Vorwürfen, dass das Unternehmen Kundendaten manipuliert und Audits nur vorgetäuscht habe, geht es nun um mutmaßlichen Diebstahl von Open‑Source‑Software.

Der Vorwurf: Wegkopierter Code als Eigenleistung

Delve soll ein No‑Code‑Produkt namens „Pathways“ vermarktet haben, das stark an Sim.ai’s Open‑Source‑Projekt SimStudio erinnert. DeepDelver behauptet, dass Pathways lediglich ein Fork von SimStudio sei, das leicht abgeändert und ohne Hinweis auf die ursprünglichen Entwickler veröffentlicht wurde. Ein solches Vorgehen würde gegen die Apache‑Lizenz verstoßen, die eine korrekte Attribution fordert.

Reaktion von Sim.ai und Delve

Emir Karabeg, Gründer und CEO von Sim.ai, bestätigte gegenüber TechCrunch, dass zwischen den Firmen keine Lizenzvereinbarung besteht. Er erinnerte sich, dass Sim.ai ursprünglich als Kunde von Delve auftrat, jedoch keinerlei Gegenleistung für die angebliche Nutzung von SimStudio erhalten habe. Auf die Vorwürfe reagierte Delve bislang nicht öffentlich.

Komplizierte Beziehungen im YC‑Netzwerk

Sowohl Sim.ai als auch Delve stammen aus dem selben Inkubator Y Combinator, wo Alumni häufig Produkte ihrer Mitgründer kaufen. Dieser Umstand macht die Situation besonders brisant: Während Sim.ai Delve bezahlt hat, soll Delve im Gegenzug Sim.ais Open‑Source‑Code ohne Gegenwert genutzt haben.

Auswirkungen auf Investoren und Due Diligence

Der Vorwurf fällt in eine Phase, in der Delve bereits eine Series‑A‑Finanzierung in Höhe von 32 Millionen US‑Dollar von Insight Partners erhalten hat. Das Unternehmen hat den Blogbeitrag von Insight, in dem die Investition angekündigt wurde, kurzzeitig von seiner Website entfernt. Beobachter fragen sich, ob die Due‑Diligence‑Prozesse der VC‑Firma ausreichend waren.

Was bedeutet das für die Startup‑Szene?

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Bedeutung von Open‑Source‑Lizenz‑Compliance, besonders bei Unternehmen, die Compliance‑Lösungen verkaufen. Ein Verstoß kann nicht nur das Vertrauen von Kunden und Partnern erschüttern, sondern auch juristische Konsequenzen nach sich ziehen. Für Gründerinnen und Gründer wird damit ein weiteres Warnsignal deutlich: Transparentes Lizenzmanagement ist kein optionales Good‑Practice, sondern ein Muss.

Source: https://techcrunch.com/2026/04/01/the-reputation-of-troubled-yc-startup-delve-has-gotten-even-worse/

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