Ein neuer Blick auf das unsichtbare Magnetfeld
Die Erde wird Tag für Tag von geladenen Teilchen des Sonnenwinds getroffen. Diese Teilchen können sogenannte geomagnetische Stürme auslösen, die Satelliten, Stromnetze und Kommunikationssysteme stark beeinträchtigen. Bisher blieb das Magnetfeld, das unseren Planeten vor dieser Strahlung abschirmt, nahezu unsichtbar. Die bevorstehende SMILE‑Mission (Solar wind Magnetosphere Ionosphere Link Explorer) soll dieses unsichtbare Schutzschild erstmals in detailreichen Röntgenaufnahmen zeigen.
Die letzten Schritte zum Start
Nach jahrelanger Planung und intensiven Tests in ESTEC, Niederlande, wurde die Sonde am 11. Februar per Schiff nach Kourou, Französisch‑Guyana, transportiert. Dort erfolgte am 20. März das riskante Befüllen mit etwa 1.580 kg hochgiftigem Hydrazin, das rund zwei Drittel des Gesamtabwurfs von 2.300 kg ausmacht. Am 9. April startet SMILE um 08:29 Uhr (NL‑Zeit) an Bord einer Vega‑C‑Rakete und erreicht nach 57 Minuten eine vorläufige Kreisbahn in Höhe von 700 km.
Eine außergewöhnliche Umlaufbahn
In den folgenden 25 Tagen zündet das Raumschiff zwölfmal seine Triebwerke, um schrittweise eine langgestreckte, elliptische Umlaufbahn zu erreichen. Der Apogäum liegt dann bei satten 121.000 km über dem Nordpol, wo die Instrumente die Interaktion zwischen Sonnenwind und Magnetosphäre erfassen. Der Perigäum führt die Sonde zum Südpol in 5.000 km Höhe, wo die gesammelten Daten zu Bodenstationen übertragen werden. Eine komplette Runde dauert etwa zwei Tage, wobei rund 90 % des Treibstoffs in der ersten Monatsschicht verbraucht werden.
Röntgenbilder des Erdschutzes
Der entscheidende wissenschaftliche Baustein ist die Soft‑X‑ray‑Imager (SXI), eine hochsensible Röntgenkamera, die erstmals die Magnetosphäre in weichen Röntgenstrahlen abbildet. Gleichzeitig liefert der Ultraviolet Aurora Imager (UVI) bis zu 44 Stunden am Stück Aufnahmen des Nordlichts. Durch die Kombination beider Bildquellen erhalten Forschende ein umfassendes Bild davon, wie solare Stürme das Erdmagnetfeld verformen und anschließend Aurora‑Ereignisse auslösen.
Internationale Partnerschaft als Schlüssel
SMILE ist ein Paradebeispiel für transkontinentale Zusammenarbeit. Die Europäische Raumfahrtorganisation ESA stellt die Nutzlastplattform, die Röntgenkamera und die Vega‑C‑Rakete bereit, während die Chinesische Akademie der Wissenschaften die übrigen wissenschaftlichen Instrumente liefert und den Startort betreut. Dieser Partnerschaftsansatz ermöglicht nicht nur den Austausch von Know‑How, sondern schafft auch die Basis für zukünftige, noch komplexere Weltraum‑Wetter‑Projekte.
Die Ergebnisse der Mission sollen die Vorhersagemodelle für Weltraumwetter deutlich verbessern und so die Sicherheit von Satelliten, Stromnetzen und zukünftigen Weltraumflügen erhöhen.
Source: https://scientias.nl/smile-missie-zo-beschermt-aarde-zich-tegen-de-zon/